17. Juni 2024

Frühlingserwachen und österliche Zeit

Neulich sagte jemand zu mir: „Ach, Ostern ist doch schon seit Ostermontag vorbei.“ Wie gut, dass dem nicht so ist – denn die schöne österliche Zeit fängt ja erst an Ostern an und zieht sich über Christi Himmelfahrt bis hin zum Pfingstfest. Das ist doch eigentlich eine gute Botschaft, denn so können wir, zusammen mit Christen überall auf der Welt, uns noch weiter an der Osterbotschaft freuen. Wir haben genug Zeit, die Hoffnung und Freude ganz tief in uns aufzunehmen: dass Jesus den Tod besiegt hat; dass er die Macht hat, alles neu zu machen – in unserem Leben und in der Welt; dass wir die Macht seiner Auferstehung erleben dürfen, die uns in diesem Leben trägt und auch in die Ewigkeit hinein. Die belebende Kraft des Frühlings ist für mich ein starkes Sinnbild von Gottes österlichem Handeln in Jesus an uns: Vor einiger Zeit noch konnte man, wenn man in der Natur unterwegs war, kaum glauben, dass die kahlen, braunen, leblos scheinenden Bäume und Sträucher nur schlafen. Doch jetzt im Frühjahr erwachen sie wieder zu neuem Leben, zeigen Knospen und Blüten und Blätter und Farben und Düfte, an die man schon fast nicht mehr geglaubt hätte. Das Leben ist zurück. Das Leben siegt. Darauf dürfen auch wir hoffen: Gott lebt in uns durch seinen Geist. Er kann uns Frühling, Erwachen, Neuanfang in Bereichen unseres Lebens schenken, von denen wir dachten, sie seien leblos und abgestorben. Er kann Neues in uns erwecken und durch uns in diese Welt bringen, die die Auferstehungskraft Jesu so verzweifelt braucht: Wir dürfen Farbe und Duft in unser Umfeld bringen und ein Wohlgeruch sein für Gott und Menschen. Wir können in Gottes Auferstehungskraft helfen, dass unsere Mitmenschen heiler und lebendiger werden und aufblühen können unter dem liebevollen Blick Gottes, unter dem erneuernden Blick des Messias Jesus.

In seinem mit „Frühlingsglaube“ überschriebenem Gedicht spricht Ludwig Uhland (1787-1862) von der heilsamen Kraft der wiedererwachenden Natur:

Die Welt wird schöner mit jedem Tag, man weiß nicht, was noch werden mag,

das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Tal:

Nun, armes Herz, vergiss der Qual!

Nun muss sich alles, alles wenden.

Angelus Silesius (1624-1677) sieht im Frühlingserwachen noch mehr, nämlich ein Sinnbild für Gottes Güte: 

Jetzt ist der Himmel aufgetan, jetzt hat er wahres Licht!

Jetzt schauet Gott uns wieder an mit gnädigem Gesicht.

Jetzt scheinet die Sonne der ewigen Wonne!

Jetzt lachen die Felder, jetzt jauchzen die Wälder,

jetzt ist man voller Fröhlichkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert