17. April 2024

Nachrichten von Mohrmanns aus unserer Arbeit in Jerusalem

Wir schreiben diese Zeilen am 60. Tag des Krieges zwischen Israel und der Hamas. Im Moment ist das in Israel die neue Zeitrechnung, gezählt werden die Tage ab dem 7. Oktober, dem Tag, an dem alles anders wurde. Der Waffenstillstand hat nur eine Woche gehalten. Leider sind nicht mehr Geiseln freigekommen, der Krieg wird an allen Fronten massiv weitergeführt. Selbst in Jerusalem waren wieder Raketenabschüsse durch den Iron Dome zu hören. Wir sind vor vier Wochen nach Israel zurückgekehrt und haben nun das Gefühl, in einer ganz anderen Welt als vorher angekommen zu sein, völlig leere Gassen, viele geschlossene Geschäfte. So war es ja schon einmal während der Cornoa-Zeit, und auch damals war die Situation deprimierend. Aber der Schock dieses Krieges sitzt tiefer und bewirkt tiefgreifendere Veränderungen in den Menschen. Die leidvollen Erlebnisse und Bilder des Krieges graben sich in die Seelen ein. In den Gesprächen mit unseren Freunden auf beiden Seiten spüren wir, dass in der Folge nur noch schwarzweiß gesehen werden kann, einseitige Einstellungen werden nun auch von denen geäußert, die sonst eher für Verständigung eingestanden sind. Zu Recht sind viele im Umgang ängstlicher geworden, aber nun ist die Angst voreinander deutlich präsenter. Die freie Zeit ohne Gästebetrieb und ohne Volontäre im Johanniter-Hospiz nutzen wir nun für viele Begegnungen und Gespräche, laden zum Frühstück oder Kaffee in unser Haus ein, unterstützen die nun sehr kleine Evangelische Auslandsgemeinde (die Erlöserkirche) bei Gebetszeiten, Gottesdiensten und Veranstaltungen, helfen praktisch z.B. bei der Olivenernte mit und renovieren weiter unser Haus, das eine ständige Betreuung nötig hat. Die christlichen Kirchen haben alle größeren Veranstaltungen für die Advents- und Weihnachtszeit abgesagt. In der Erlöserkirche wird es in diesem Jahr keinen Adventsmarkt geben, wir haben am 1. Adventssonntag nach dem Gottesdienst Waffeln gebacken und bieten auch sonst nach dem Gottesdienst Kaffee und Kuchen an. Vermutlich werden wir die kleine Zahl von noch im Land befindlichen Gemeindemitgliedern am Heiligen Abend zum Essen in unser Haus einladen können, oder den Abend in der Erlöserkirche mitgestalten. Täglich versuchen wir zu ergründen, wohin das alles führt und wie lange es noch einen Kriegszustand geben wird, aber da gibt es zurzeit nur Spekulationen. In all dem fühlen wir uns am rechten Platz hier, gerade in dieser Zeit und in dieser Situation. Und wir wollen die Hoffnung auf einen dauerhaften Waffenstillstand und friedlichere Weihnachten nicht aufgeben. Herzliche Grüße, Eure Michael und Elsa

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