4. Juli 2022

Erfahrungsbericht: Pilgern auf dem Jakobsweg

Heimar Müller, schon viele Jahre im Christus-Treff, berichtet uns von einer besonderen Erfahrung, die uns vielleicht zu ganz eigenen „Pilgerwegen“, äußerlichen und innerlichen, inspirieren kann: „Das Pilgern hat in den letzten Jahren stark an Aktualität gewonnen. Der bekannteste Pilgerweg ist der Jakobsweg, und zwar der „Camino Francés“. Dieser Pilgerweg wurde auch durch Hape Kerkeling sehr beliebt. Im April 2022 startete ich mit dem Fernbus nach León im Nordwesten Spaniens. Die Fahrt war anstrengend, aber ich kam gut an – zumindest mit meinem Handgepäck, denn auf der Fahrt wurde mir vom Gepäckfach im Bus mein Rucksack mit meiner ganzen Ausrüstung gestohlen. Somit stand ich in Leon nur mit meinem Handgepäck (Geld, Ausweis, Handy und ein paar Kleinigkeiten). Dies war für mich erstmal ein Schlag und ich fragte mich: Was möchte Gott mir sagen? Da es Sonntag war, konnte ich kaum etwas unternehmen. Sollte ich aufgeben? Doch meine Familie und einige Freunde motivierten mich, weiterzumachen. Am Montag ging ich dann erstmal auf Einkaufstour (Rucksack, Wanderstöcke, Schlafsack, Kleidung usw.) Schließlich war ich dann mit meinem Rucksack und der Jakobs- bzw. Pilgermuschel endlich wieder als Pilger zu erkennen … Mit 2 Tagen Verspätung begann ich dann meine Pilgerreise in León. Ca. 315 km lagen vor mir. Die Infrastruktur (Wasserstellen, Übernachtungsmöglichkeiten, Kennzeichnung des Weges usw.) dieses Teils des Jakobsweges ist hervorragend. Meine erste Begegnung mit einer Pilgerin aus den USA war sehr lustig: Wir suchten gemeinsam die Pfeile, die uns aus León heraus auf die Pilgerroute führen sollten. Der erste Pilgertag war nicht sehr schön, denn die Strecke führte an einer vielbefahrenen Nationalstraße entlang. In der ersten Herberge bekam ich Kontakt mit verschiedenen anderen Pilgern aus aller Welt. Die Verständigung von uns Pilgern untereinander war spannend, aber durch die Vielzahl der Nationalitäten (z.B. Deutsche, Österreicher, Südkoreaner, Polen, Italiener, Spanier, Amerikaner) nicht immer so einfach. Verschiedene Pilger gingen Wegstrecken miteinander. Der zweite Pilgertag startete, wie der erste endete, mit einer Wegführung 35 km an der Nationalstraße entlang, doch die interessanten Kontakte entschädigten dafür. Am 3. Tag musste ich erst einmal auf meinen Körper hören und lief nur eine kurze Wegstrecke. Die nächsten Tage pilgerte ich dann durch sehr schöne Gegenden und die Tagesetappen variierten zwischen 20 und 44 km. Was macht das Pilgern besonders? Einerseits gab es gute Begegnungen mit den Einheimischen. Andererseits war auch die Begegnung von uns Pilgern untereinander etwas Besonderes. Einander kennenlernen, wieder verabschieden, unverhofft wiedertreffen auf dem Weg oder in den Herbergen … In den Gesprächen wurde deutlich: Viele Pilger wollten etwas in ihrem Leben verändern oder Erlebtes verarbeiten. Man ging achtsam miteinander um, oft wurde man gefragt, wie es einem geht, ob man Hilfe braucht. Außerdem lernt man, mit wenig auszukommen: Alles, was Du hast und brauchst, trägst Du auf dem Rücken. Für mich war es auch sehr wertvoll, einfach mal sehr lange mit Gott zu reden – auf dem Weg, in der Natur, am „Cruz de Ferro“ oder in der alten Pilgerkirche des Bergdorfes O Cebreiro (El Cebrero). Manchmal habe ich während des Pilgerns auch verschiedene Podcasts, Predigten oder Lieder gehört. Es erfüllte mich mit großer Dankbarkeit, am Ende der Pilgerreise dann die Kathedrale von Santiago de Compostela (Bild) zu sehen. Ich grüße euch mit dem Pilgergruß und wünsche euch „Buen Camino“ (Guten Weg)!“

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