2. Dezember 2021

Erntedank und Simchat Tora

Der Oktober ist eine gute Zeit, um Danke zu sagen – „Erntedank“ – und sich zu freuen über Gottes Gaben: Sein Wort; seine Weisungen, die uns zum Leben führen; seine Versorgung; seine Gaben und Geschenke – natürliche und übernatürliche, äußerliche oder innerliche. In diesem Jahr ist unserem Erntedankfest das biblische Laubhüttenfest fast unmittelbar vorausgegangen. Unsere jüdischen Geschwister feiern es in Erinnerung daran, dass Gott sie auf der Wüstenwanderung, während der sie in provisorischen Hütten lebten, gut versorgt hat. Dieses Fest, das auch den Dank für die Früchte des Feldes und des Gartens ausdrückt, endet mit einem besonderen Höhepunkt, mit Simchat Tora, dem Fest der Torafreude: Man liest in der Tora, den 5 Büchern Mose; man tanzt mit der Tora – in der Synagoge und auch in den Straßen; man feiert sie und dankt Gott dafür; die Kinder bekommen Süßigkeiten und tragen Kerzen und bunte Wimpel während der Prozession. Es ist eine große Ehre, die Torarollen zu tragen oder aus Gottes Wort vorzulesen. Ein schönes Fest, für das wir als Christen leider keine richtige Entsprechung haben. Und doch kann uns gerade unser christliches Erntedankfest daran erinnern, dass wir so viel haben, für das wir Gott dankbar sein können – nicht zuletzt für die „Versorgung“ mit Gottes Wort, das unseren Hunger und Durst stillt, das uns auf eine Weise sättigt, die viel tiefer reicht als das „tägliche Brot“. Das uns ermutigt, ermahnt, erfreut, heilt und leitet – auf den guten Wegen, die Gott uns führen möchte. Diese Erfahrung hat auch der Beter des 119. Psalms gemacht, wenn er sagt:

„An deinen Weisungen habe ich mehr Freude als an großem Reichtum. Ich will über deine Gebote nachdenken und mich an deine Wege halten. Ich will mich an deinen Ordnungen freuen und dein Wort nicht vergessen. Ich verehre und liebe deine Gebote, ich denke über deine Ordnungen nach.“

Die Dankbarkeit über Gottes Gaben, und besonders über die Gabe der Bibel, hat auch Nikolaus Graf von Zinzendorf bewegt, als er im Jahr 1725 dichtete:

„Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir; denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für.

Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn?

Mir ist’s nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun.“

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