17. Juni 2021

Frühlingserwachen: Staunen über den Schöpfer

„Der Winter ist vorüber, die Blumen beginnen zu blühen,

die Zeit des Singens ist gekommen: Überall in unserem Land hört man die Turteltaube gurren“,

dichtete einst Salomo (Hld 2,11f). In ähnlich heiterem Ton schrieb staunend über zweieinhalb Jahrtausende später der Philosoph Novalis (1772-1801):

„Es färbte sich die Wiese grün und um die Hecken sah ich blühn,

tagtäglich sah ich neue Kräuter, mild war die Luft, der Himmel heiter.

Ich wusste nicht, wie mir geschah, und wie das wurde, was ich sah.“

Wenn man genau hinhört, klingt in diesen Worten das Staunen über die Schöpfung, die sich nach jedem Winter wieder aus der Erstarrung löst und mit Macht neues Leben hervorbringt, und die Ehrfurcht vor dem Schöpfer, der sich so viel Schönheit ausgedacht hat. Der Schöpfer, der dadurch nicht nur unser Herz erfreut, sondern der sicher selbst viel Freude hat am Ruf der Turteltaube, an den kleinsten Kräutern der Wiese oder den schönsten Knospen in den Hecken, der jeden Sperling kennt … und um wie viel mehr darum weiß, wie es uns geht.

Wenn wir in diesen Frühlingstagen draußen in der Natur unterwegs sind, lassen wir uns doch von Gott offene Augen und Ohren schenken, die aufmerksamer sehen und bewusster hören. Das, was uns in der Schöpfung begegnet, kann uns froh und dankbar machen, dass wir atmen und leben dürfen und dass es trotz manchem Schweren noch so viel Schönheit in der Welt gibt. Das, was wir in der aufblühenden Natur wahrnehmen, kann uns ermutigen und neue Hoffnung und Kraft geben. Denn es erinnert uns daran, dass Gott immer noch derselbe ist. Gütig, liebevoll und treu, allen seinen Geschöpfen gegenüber – auch uns. Jesus sagt:

„Schaut die Lilien an und wie sie wachsen. Selbst König Salomo in seiner ganzen Pracht war nicht so herrlich gekleidet wie sie. Wenn sich Gott so wunderbar um die Blumen kümmert, die heute aufblühen und schon morgen wieder verwelkt sind, wie viel mehr kümmert er sich dann um euch?“ (Mt. 6,27ff)

In diesem Sinne:

„Sing und wandere. Am Ende deines Weges begegnest du dem lebendigen Gott.“ (Augustinus, 354-430 n.Chr.)

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